Dachbegrünung

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Koordinaten Dachbegrünung

Als Dachbegrünung werden ganze Dachgärten auf Flachdächern, aber auch Dächer mit Grünpflanzenbewuchs bezeichnet.

Früher wurden Häuser oft mit Gras, Stroh und anderen Naturprodukten bedeckt, da sich viele Menschen keine teuren Baustoffe wie Stein oder Holz leisten konnten.[1]

Zu dem praktischen, geldsparenden Nutzen von damals (und heute) werden Dachbegrünungen heute auch zur ästhetischen Aufwertung von Gebäuden angelegt. Sie spielen aber auch eine sehr große Rolle im Bereich des ökologischen Bauens.

Dachbegrünungen sind nicht nur schön anzusehen, sie haben vor allem herausragende Funktionen und Eigenschaften bei der Klimatisierung von Mikrostandorten, im kommunalen Regenwassermanagement, bei der Entwicklung der Biodiversität in urbanen Räumen, beim Ausbau des Futterangebotes für Bienen. Sie sind ein nachhaltiger Beitrag für die Entsiegelung überbauter Flächen. Darüber hinaus sind sie Maßstab für das Bauen der Zukunft und zugleich ein nicht mehr wegzudenkender Teil der Architektur und Bauwerksbegrünung.

Bei der Dachbegrünung wird unter extensiver und intensiver Begrünung unterschieden. Jährlich werden in Deutschland ungefähr 5 Millionen Quadratmeter Dachfläche neu begrünt. Davon sind circa 80% extensiv und 20% intensiv.

Aufbau einer extensiven Dachbegrünung

Abbildung 1a: Aufbau der extensiven Dachbegrünung an der Schutzhütte im Immentun.[2]

Topgreen

Abbildung 1b: Das TOPGREEN Gründachsystem von Greenhouse besteht aus einer Gründachpfanne (GDP30), die geeignet ist für Dachneigungen von 16° bis 30°. Diese Dachpfanne ist Trägerelement, Substratspeicher, Wasserspeicher und Pflanzschale in einem und wird wie eine herkömmliche Dachpfanne vom Dachdecker verlegt.

 

Begrünungsarten

„Bei Dachbegrünungen sind in Abhängigkeit von der Nutzung, den bautechnischen Gegebenheiten und der Bauweise drei Begrünungsarten zu unterscheiden, die die Pflanzenauswahl und den Vegetationsaspekt entscheidend bestimmen:

  • Intensivbegrünungen
  • Einfache Intensivbegrünungen
  • Extensivbegrünungen

Jede Begrünungsart umfasst eine Vielzahl von Ausbildungsformen der Vegetation mit fließenden Übergängen und standortabhängigen Differenzierungen, die dynamischen Veränderungen unterliegen.“ [8]

 

Die extensive Dachbegrünung

„Extensivbegrünungen sind naturnah gestaltete Vegetationsformen, die sich weitgehend selbst erhalten und weiterentwickeln.“ [8]

Eine extensive Dachbegrünung zeichnet sich durch flächige und weitgehend geschlossene Vegetationsbestände aus. Als naturnahe Vegetationsform benötigt sie weniger Pflege als eine Intensivbegrünung. Drei jahreszeitlich bedingte Inspektionen (Sichtung) mit evt. anschließender Pflege und Wartung pro Jahr reichen in der Regel aus. Wasser- und Nährstoffversorgung erfolgen über natürliche Prozesse, sollten aber je nach Standort und regionalen Klimabedingungen Teil der Pflege sein. Die Vegetation besteht aus Pflanzen, die an die Standortbedingungen (Sonne, Wind, Trockenheit) auf dem Dach angepasst sind und eine hohe Regenerationsfähigkeit besitzen. Sedum (siehe Abbildung 2) ist ein anspruchsloses Dickblattgewächs, welches oft auf begrünten Dächern zu finden ist. Als xeromorphe Pflanzen haben sich viele Sedumarten durch morphologische Umwandlungen an ihren trockenen Standort angepasst. Die verdickten Sprossen und Blätter sind in der Lage viel Wasser zu speichern, während eine reduzierte Blattoberfläche mit einer dicken Außenhaut vor Verdunstung schützt. Daneben wachsen auf den Dächern meist Moose, Gräser und verschiedene Kräuter, die als Vegetationspolster das Substrat, zum Beispiel vor Wind, schützen.

Sedum sexangulare - Milder Mauerpfeffer

Abbildung 2: Sedum sexangulare - Milder Mauerpfeffer[3]

„Die Vegetationstragschicht (Substrat) bildet die Grundlage für das Pflanzenwachstum und muss intensiv durchwurzelbar sein. Sie muss strukturstabil sein, einsickerndes Wasser pflanzenverfügbar speichern und lediglich Überschusswasser abgeben. Auch bei maximaler Wasserkapazität muss sie ein für die jeweilige Vegetationsform ausreichendes Luftvolumen aufweisen.“ [8]

Die Aufbaudicken der Substratschicht sind von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Hier sind neben bautechnischen Voraussetzungen (Architektur, Statik, Konstruktionsanforderungen, Nutzung und Gestaltung) vor allem die beabsichtigte Begrünungsart und die Vegetationsform sowie die Substratbestandteile zu nennen.

Das Substrat für die Station Dachbegrünung ist bis circa 12 cm dick und dient der Durchwurzelung, als Nährstoff- und Wasserspeicher. Es besteht überwiegend aus mineralischen Bestandteilen (Bims, Lava, gebrochenem Blähton, Blähschiefer). Je nach Konstruktionsaufbau der extensiven Dachbegrünung kann es Schichten geben, die dafür sorgen, dass keine Feinteile in die Entwässerungsschicht (Dränageelement) gelangen und dass das überschüssige Wasser abgeleitet wird. Eine Wurzelschutzmatte, besonders bei Flachdächern, verhindert, dass starke Wurzeln in die Dachdichtung eindringen. Extensive Dachbegrünungen sind auf Flachdächern, sowie auf Dächern mit Neigungen möglich.[2][4] Besonders geeignet sind Dächer mit einer Neigung zwischen 5% und 15%. Die TOPGREEN Gründachsysteme von Greenhouse erlauben unter Berücksichtigung entsprechender baulicher Maßnahmen eine Dachbegrünung bei einer Dachneigung bis zu 45°.

Die intensive Dachbegrünung

Die anspruchsvolleren, intensiven Dachbegrünungen sind, je nach Nutzungs- und Gestaltungsart, hingegen nur auf Flachdächern sinnvoll angelegt. Sie bedürfen der intensiven Pflege, da die Pflanzen hohe Ansprüche an den Schichtaufbau stellen sowie eine intensive und regelmäßige Wasser- und Nährstoffversorgung benötigen. Die Vegetationsschicht ist unterschiedlich mächtig im Schichtaufbau und – im Gegensatz zur extensiven Begrünung – abhängig von unterschiedlichen Faktoren wie z.B. Vegetationsart, -form, Standortbedingungen etc.[5] Durch dickere Schichten und meist üppigeren Pflanzenbewuchs ist die intensive Form weitaus schwerer als die extensive. Die Pflanzenebene besteht oft aus Stauden und Gehölzen, doch auch Kräuter und Gräser sind zu finden. Der Aufbau (siehe Abbildung 3) der unter dem Substrat befindlichen Schichten entspricht nahezu dem der extensiven Dachbegrünung. Oft werden diese Dächer direkt genutzt, beispielsweise für Dachgärten bis hin zu ganzen Dachparkanlagen

intensive Dachbegrünung

Abbildung 3: Beispiel für den Aufbau einer intensiven Dachbegrünung.[6]

 

Vor- und Nachteile der Dachbegrünung

Neue Lebensräume: Dachbegrünungen sind keine natürlichen Biotope, sondern Siedlungsbiotope. Das heißt, natürliche Standortbedingungen werden durch die vom Menschen verursachten baulichen Maßnahmen nachhaltig gestört. Dachbegrünungen können als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme vorgenommen werden. Dadurch können sich an diesen neu geschaffenen städtischen Biotopen seltene Tier- und Pflanzenarten ansiedeln. Durch Dachbegrünung von Gebäuden, Einfamilienhaussiedlungen, Gewerbesiedlungen oder ganzen Städten können die durch Versiegelung verloren gegangenen Lebensräume neu entstehen.

Optik: Grüne Behausungen stellen besonders mitten in der Stadt eine willkommene Abwechslung für das Auge dar. Während grauer Beton eher monoton wirkt kann der Anblick eines grünbewachsenen Hauses entspannend und vitalisierend wirken.

Luftverbesserung: Gerade in den Sommermonaten kann es in Städten sehr heiß werden. Durch zunehmende Versiegelung und die Abwärme von Verkehr, Industrie- und Heizungsanlagen entstehen Hitzeinseln („urban heat island-Effekt“). Dachbegrünungen wirken hier entgegen, indem die Pflanzen die Sonnenstrahlen absorbieren statt sie zu reflektieren. Schadstoffe und Staub werden aus der Luft gefiltert und durch Photosynthese stellen die Pflanzen Sauerstoff her.[7]

Dachschutz: Eine Dachbegrünung ist nachhaltig und meist langlebiger, denn die regenerierende Substrat- und Pflanzenschicht schützt die Dachabdichtung vor UV-Strahlung, Hagelschlägen, Temperaturdifferenzen und Krustenbildung. So wird Materialermüdung, Rissbildung und Undichtigkeiten vorgebeugt.

Rückhaltung von Niederschlägen: Ungefähr 50% Niederschlag können von einem Gründach gespeichert werden. Der Aufbau und die Speicherfähigkeit eines Gründaches bewirken eine deutliche Dämpfung der Abflussgeschwindigkeit des anfallenden Regenwassers, insbesondere bei Starkregen. Dadurch werden Siedlungsentwässerung und Kläranlagen entlastet, Aufwand und Kosten gespart. Die durch Verdunstung entstehende Kühlung trägt unmittelbar zur Wolkenbildung am Standort bei. Darüber hinaus wird Wasser, anders als bei einer Versickerung, schneller und damit nachhaltiger wieder in den natürlichen Wasserkreislauf zurück-geführt.

Verbesserung des Raumklimas: Nicht nur außerhalb des Hauses, sondern auch in grünbedeckten Häusern sorgen die Pflanzen auf dem Dach für ein angenehmes Klima. Durch die Verdunstung des gespeicherten Regenwassers kühlt sich die Temperatur auf dem Dach gegen- über einer „normalen“ Bedachung deutlich ab und bewirkt, dass sich in den direkt unter dem „Gründach“ liegenden Räumen die Raumtemperaturen im Sommer ebenfalls abkühlen. Im Winter hingegen wirkt sich das Gründach durch die winddichten und damit isolierenden und dämmenden Eigenschaften positiv auf den Heizenergiebedarf aus.

Verminderte Lärm- und Strahlungsbelastung: Gerade in Städten mit eng aneinander stehenden Hochhäusern werden die lauten Verkehrs- und Maschinengeräusche von den Gebäudewänden reflektiert und stellen eine zunehmende Belastung dar. Dachbegrünungen wirken einer Schallreflexion entgegen und verbessern die Schalldämmung eines Hauses. Hochfrequente elektromagnetische Strahlung, z.B. von Mobilfunk-Sendeanlagen wird abgeschirmt.[7]

Günstige Nutzungsfläche: Wird ein Gründach als Dachgarten genutzt oder entstehen etwa ganze Dachparks, so bieten sich tolle Aussichten in grüner Umgebung – ohne neue Grundstückskosten.

 

Die „grüne Hütte“ im Immentun

Geokoordinaten:

N 52°43.473'
E 008°17.821'

Schüler der Adolf-Kolping-Schule Lohne haben zwischen März und Juni 2010 auf einer Wiese im Immentun eine kleine Gründachhütte mit Extensivbegrünung (siehe Abbildung 4) gebaut. Unterstützung bekamen die Jungen von bauXpert Gr. Beilage aus Vechta, Gartengestaltung Gröne aus Dinklage, Dachdeckermeister Brinkhus aus Bakum und Greenhouse aus Lohne. Das Gerüst der Schutzhütte besteht aus witterungsbeständigem, festem Lärchenholz. Das Dach hat eine Neigung von mehr als 15°. Geplant und verbaut wurde auf der grünen Hütte das TOPGREEN Gründachsystem GDP 30 von Greenhouse (s. Bild 1).

Gründachhütte im Immentun

Abbildung 4: Gründachhütte im Immentun

Als Weideschuppen bietet die Gründachhütte im Immentun Schutz für Wanderer vor Regen oder anderen Niederschlägen. Auf Weiden mit grasenden Tieren dient sie als Unterschlupf für Kühe, Pferde, Schafe, Ziegen oder andere Weidetiere. Neben der hervorragenden Schutzfunktion vor Witterungswirkungen, erfüllt das Gründach auf derartigen Objekten im ländlichen Raum eine nicht zu unterschätzende Schutzfunktion des vorhandenen Landschaftsbildes, der Landschaftsökologie und Biodiversität.

 

Einzelnachweise:

  1. http://www.dachbegruenung.de/informationen/allgemeine_infos
  2. http://www.gruendachtechnik.de/a_sys.html
  3. http://www.floraweb.de/pflanzenarten/foto.xsql?suchnr=5437
  4. http://www.optigruen.de/Dachbegruenung_2.html
  5. http://www.optigruen.de/Systemloesungen/Thermodach.html
  6. http://www.gruendachtechnik.de/a_sys.html
  7. Deutscher Dachgärtner Verband e.V.: "Natürlich Dachbegrünung"

 

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